News: Artikel der Rhein-Neckar-Zeitung 2012 vom 20.09.2012

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Aufwendige Renovierung einer "Renovierung"
Presse: Rhein-Neckar-Zeitung
Artikel vom:  20.09.12
Copyright: Fotos und Artikel: © Christian Beck
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Betriebsstätte:  Schaper Bauwerkserhaltung

Polier Oliver Pätzold und seine Kollegen vom Team Schaper Bauwerkserhaltung (Betriebsstätte der Peter Walz Nachf. Natursteine GmbH) beseitigen gravierende Mängel vorhergehender Arbeiten anderer Firmen an der "Alten Mälzerei" in Mosbach.

Artikel:

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Schadhafte Backsteine werden mit einem Kreuz markiert und mit dem Bohrhammer herausgestemmt.

Von Christian Beck
Mosbach. Am Hang thront sie über der Mosbacher Innenstadt, wer das Auge auf sie richtet, blickt auf eine Fassade aus zweifarbigem Backstein. Die 1908 errichtete "Alte Mälzerei" prägt nicht nur das Stadtbild - das ehemalige Industriegebäude vermittelt auch den Eindruck, unverwüstlich allen Modetrends und Wettereinflüssen zu trotzen. Doch genau diese haben dem denkmalgeschützten Gebäude kräftig zugesetzt: Die Fassade wird gerade aufwendig renoviert. Und nicht zuletzt aufgrund schlecht ausgeführter Arbeiten in der Vergangenheit droht die Maßnahme nun deutlich teurer und umfangreicher zu werden.

Von Weitem scheint alles in Ordnung zu sein, doch aus der Nähe betrachtet, wird das Problem recht schnell klar: "Die Fugen sind alle marode, das ist ein Schwachpunkt für die Mauer", erklärt Polier Oliver Pätzold von der Baufirma, die momentan mit der Fassadensanierung beschäftigt ist. Durch rissige und lose Fugen kann Feuchtigkeit in die Fassade eindringen, im Winter drohen so weitere Schäden durch Frostsprengung. Doch nicht nur die Fugen machen Probleme, auch zahlreiche Backsteine sind mittlerweile verwittert: "Die Sinterhaut, die obere Schicht auf den Backsteinen, hat sich teilweise abgeschält", berichtet Pätzold. Die Oberfläche des verbauten Steins ist somit porös und nimmt noch mehr Feuchtigkeit auf.

Mit einem Bohrhammer werden die zuvor markierten Backsteine herausgestemmt, 700 sollten ursprünglich ausgetauscht werden. Doch nach Beginn der Arbeiten in dieser Woche wurde schnell klar: Die Schäden sind gravierender als zunächst angenommen. Verantwortlich dafür sind nach Überzeugung von Polier Pätzold zu einem großen Teil unsachgemäß ausgeführte Arbeiten beim Umbau der Mälzerei in den Jahren 1995/96. Statt wie momentan die beschädigten Fugen mit dem Winkelschleifer etwa zwei Zentimeter tief auszuräumen, den Bereich zu säubern und sorgfältig neu zu verfugen, habe man "zuletzt einfach drübergeschmiert".

Außerdem verfügten die vor etwa 16 Jahren ausgetauschten Backsteine über ein anderes Maß: Statt dem 1908 verbauten "alten Reichsformat" hat man laut dem Polier ein neues, kleineres Steinformat verbaut. Als Folge davon wurden die Fugen an diesen Stellen zu breit und somit anfälliger für Schäden. Zudem waren die neuen Backsteine von schlechter Qualität: "Hier finden sich schon wieder abgeplatzte Stellen", so Pätzold.

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Die Alte Mälzerei ist zurzeit von einem bis zu 18 Meter hohen Gerüst umgeben. Bernhard Mengis, technischer Leiter des Kultur- und Tagungszentrums (rechts), koordiniert weitere Arbeiten.

Nach dieser unangenehmen Überraschung ist klar: Die bereits im Haushalt vorgesehenen 50 000 Euro werden für die Sanierung nicht reichen, dies bestätigte Bernhard Mengis, technischer Leiter des Kultur- und Tagungszentrums Alte Mälzerei. Spontan habe man deshalb weitere 8 000 Euro eingeplant, die ursprünglich für eine Sanierung der Wege um die Mälzerei vorgesehen waren. Bürgermeister Michael Keilbach, Geschäftsführer der Alten Mälzerei, versucht zurzeit, weitere Mittel umzuschichten. Die endgültigen Kosten schätzt er auf 80 000 bis 90 000 Euro.

"Eine Sanierung der kompletten Fassade ist zurzeit nicht bezahlbar", erklärt Keilbach. Im Vordergrund stehe deshalb die Verkehrssicherheit. Trotzdem sei es ein wirtschaftliches Interesse, so viel wie möglich in einem Aufwasch zu erledigen: Deshalb arbeite man sich von oben die Fassade herunter - so sei bei der nächsten Maßnahme kein komplettes Gerüst mehr notwendig, was Kosten spare. Und fest steht auch: "Dieses Mal sollen die Arbeiten fachmännisch erledigt werden", da sind sich die Bauarbeiter mit Mengis einig.

Neben der Fassade stehen außerdem noch Arbeiten am Flachdach an. Nach momentaner Planung soll die Baumaßnahme in vier Wochen abgeschlossen sein. Die Veranstaltungen in der Mälzerei sollen laut Keilbach dadurch aber nicht beeinträchtigt werden.

Unser Dank gilt Herrn Christian Beck für die Erlaubnis seinen Artikel inkl. Bildern auf unserer Seite zu veröffentlichen: © Christian Beck von der Rhein-Neckar-Zeitung